Schafschur

Schafschur

Meine Leidenschaft zum Scheren hat sich insbesondere bei meiner Neuseelandreise vertieft. Die Kunst der Schafschur und all ihre Feinheiten dahinter haben mich enorm beeindruckt. Insbesondere die enorme Disziplin, die dahinter steckt und zu welchen Leistungen der menschliche Körper in der Lage ist. Oder wie könnte man es sonst beschreiben, dass der aktuelle Rekord bei 644 geschorenen Schafen in acht Stunden liegt.

Im Vordergrund der Schur steht für mich persönlich aber ganz klar das Tier.
Dies bedeutet für mich, dass ich das Schaf sauber, verletzungsfrei und zügig frisiere.
Das Schöne an der deutschen Schafhaltung ist die Tatsache, dass man vielseitig bleibt, denn vom Ouessant Schaf mit 5Kg Lebendgewicht, bis hin zum Merino-Schwarzkopf Bock mit 190 kg ist so ziemlich alles dabei an meiner eigentlichen Kundschaft.

Die stetige Weiterbildung ist für mich ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit um so tierfreundlich wie möglich die Wolle zu ernten.

Wer nicht besser wird, wird schlechter!

Schafe wurden züchterisch von uns Menschen im Zuge der Domestizierung so selektiert, dass die Wollfasern immer feiner und gekräuselter wurden. Alle Wollschafe, die nicht selbständig abhaaren wie in etwa Haarschafe müssen also mindestens einmal im Jahr geschoren werden. Bei manchen Rassen empfiehlt sich das Scheren sogar halbjährlich. Insbesondere bei Wald- und Bergschafen sowie Walliser Schwarznasen.

80645505_2490914164515362_5499107578396803072_o

Ich schere nach der neuseeländischen Schurmethode, womit das Vließ an einem Stück abgeschoren wird, und das Schaf in wenigen Minuten von der Wolle befreit wird.
Hierzu bringe ich einen mobilen Schurstand mit, dieser hat eine Höhe von 2,7m.
Bitte beachten Sie das bei der entsprechenden Zuweisung des Schur Orts.

Um die Anfahrtskosten so gering wie möglich zu halten, versuche ich meine Kunden in Touren zu verbinden. Bitte nehmen Sie daher frühzeitig Kontakt mit mir auf.
Hierzu steht ein Kontaktformular auf der Website zur Verfügung. Um die Planung so effizient wie möglich zu gestalten, benötige ich hierzu die Anzahl der Schafe, Rasse, Standort und mögliche Terminwünsche.
Die Anzahl der Schafe ist primär nicht ausschlaggebend, ob Sie einen Termin bei mir bekommen oder nicht, ich komme gerne zwischen 1 und 1000 Schafen, die Preisgestaltung und Organisation aber entsprechend unterschiedlich.
Rufen Sie mich im besten Fall einfach unverbindlich an und ich gebe Ihnen gerne weitere Auskünfte für die Schur bei Ihren Schafen.

IMG_3297

Vorbereitung für eine erfolgreiche Schafschur

Ein kleiner Leitfaden um die Schafschur so angenehm wie möglich für Ihre Tiere aber auch für den Scherer zu veranstalten:

1.Nüchterung mind. 12h

Schafe sollten mindestens 12h vor der Schur nüchtern gehalten werden, Wasser sollte natürlich zur Verfügung stehen. Warum? Schafe sind Wiederkäuer und haben entsprechend vier Mägen. Den Schafen drückt der eigene Mageninhalt auf andere Organe und es schnürt ihnen die Luft ab.Ausscheidungen während der Schur sind nicht nur unangenehm, sondern wirken sich auch negativ auf die Schurqualität aus. Leere Schafe sind ein Zeichen von profesioneller Vorbereitung und erleichtern die Schur enorm. Keine Sorge um die Schafe, diese sind wie gesagt Wiederkäuer und haben noch mehr wie genug Reserve im Pansen.

 2. Aufstallung der Schafe

in einem dunklen, muffigen Stall zu scheren, ist nicht nur kein Vergnügen, sondern birgt auch Risiken mit sich. Der Scherer muss beste Lichtverhältnisse vorfinden, auch wenn das Scheren irgentwann blind geht. Was ist eigentlich mit dem Wetter? Wenns regnet wohin mit den Schafen und mit dem Scherer? Nasse Schafe lassen sich absout nicht scheren, auch nicht feuchte, weswegen hier entsprechend Stallungen oder ein Unterstand benötigt wird, wenn es doch mal regnen sollte. Nasse Wolle lässt sich schlecht lagern und verrottet, zudem bildet die Nässe im Zusammenspiel mit dem Wollfett (Lanolin) eine große Gefahr für Scherer und die Schafe.
Die Schafe sollten also bestmöglichst eingestallt und natürlich entsprechend auch eingestreut werden. Hierzu eignet sich Stroh, Miscanthus oder Sägespähne.
Niemals sollten Schafe in ihren eigenen Exkrementen liegen.

3.Vorbereitung der Wolle

Um die Wolle möglichst zum idealen Termin abzuernten, empfiehlt es sich bis mindestens mitte Mai mit dem Schurtermin zu warten, bei manchen Rassen wie Skudden, Ouessant, oder Milchschafen ist der ideale Zeitpunkt zwischen Juni und Juli.
Hintergrund hierbei ist die nachgeschobene Unterwolle, welche das alte Vließ abstößt und somit den Eintritt für die Schermaschine erleichtert. Idealerweise sollten die Schafe bei der Schur schwitzen, dies erreicht man, indem man die Tier etwas enger zusammenstellt und sich das Lanolin schön warm auf der Haut verteilen kann.

4. Schafhandling

Ich sehe es nicht gerne und unterweise hier auch Helfer wenn nötig, wenn mit Schafen schlecht umgegangen wird (oft natürlich sehr unbewusst).
Dazu gehört, dass man nicht an der Wolle zieht und Schafe mit Ruhe und Geduld zum Scherplatz führt.

5. Medikamentöse Behandlungen

Entwurmung, Ektoparasiten Behandlung etc. empfiehlt sich dringen nach der Schur, entsprechendes Mittel bekommen Sie bei Ihrem Tierarzt.  Gerade Fliegenmaden und anderes Getier lassen sich entsprechend abhalten.

6. Ausrüstung

Stromkabel, Strom generell, Wollsäcke, Besen etc. All das ist nicht die Aufgabe des Scherers, dieser hat genügend Equipment zu schleppen. Es empfiehlt sich auch vorab zu testen ob auf der Steckdose noch Strom ist und wie das Aggregat eigentlich an geht.
Sind genügend Horden für die Schafe da? Helfer sind immer nützlich, wenn sie gut eingeteilt sind und wissen müssen was sie tun sollen.

7. Warnhinweise

jegliche Gegenstände in der Wolle, wie in etwa Draht, Schnüre etc. rufen einen „lock-up“ im Scherhandstück vor, was nichts anderes bedeutet, als das die Schermaschine mit 3800 U/min blockiert und eine enorme Gefahr für alle Beteiligten darstellt.

Ungeschulte Helfer ziehe oft an der Wolle, um mir die Sicht zu ermöglichen, oder halten das Schaf einfach fest, wenn dieses sich bewegt. Dies stellt nicht nur eine Gefahr für das Schaf da, sondern auch für alle anderen Teilnehmer. Das ziehen an der Wolle bringt nur eines mit sich: Schnitt in die Haut.

8.Sonstiges

Mit der Wolle kann ich persönlich nichts anfangen und nehme diese auch nicht mit, trotzdem freue ich mich wenn mit diesem hochwertigen Produkt noch schöne Dinge hergestellt werden.

Die Schur der Lämmer ab acht Wochen empfiehlt sich immer! Die Tiere wachsen umgangssprachlich ins Fleisch und nicht in die Wolle, zudem erntet man schöne flauschige Lammwolle und die Lämmer danken es einem mit enormen Wachstum. Die Lämmer müssen nicht den ganzen Sommer das schwere Vließ mit sich tragen und man wirkt einem möglichen Fliegenmadenbefall entgegen.